Der Preisdruck im Euroraum lässt nach: Im Juni stieg die Teuerungsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat nur noch um 2,8 % und lag damit erstmals seit Monaten wieder unter der Marke von 3 %. Im Mai hatte die Rate laut Schnellschätzung von Eurostat noch bei 3,2 % gelegen.
In Deutschland fiel die Inflation nach europäischer Berechnungsmethode (HVPI) auf 2,4 %, in Frankreich sogar auf 2,0 %. Die EZB, die eine Teuerung von 2,0 % anstrebt, hatte den Einlagenzins im Juni infolge des Iran-Kriegs um 25 Basispunkte auf 2,25 % angehoben. Mit dem nachlassenden Preisdruck dürfte die Notenbank nun mehr Zeit haben, die Lage zu beurteilen – eine weitere Straffung bereits im Juli wird unwahrscheinlicher, ist aber nicht vollständig vom Tisch.
Ob die Prognosen dauerhaft in Richtung Zielmarke drehen, bleibt jedoch offen. ING-Chefökonom Carsten Brzeski ordnet die Entwicklung so ein:
„Angesichts des jüngsten Rückgangs der Energiepreise ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass zumindest die Prognosen für die Gesamtinflation plötzlich einen Wert unter 2 % für das Jahr 2027 anzeigen könnten.“ Solange die Prognosen für die Kerninflation aber nicht nach unten korrigiert werden, dürfte einer weiteren Zinserhöhung 2026 nach Einschätzung von Brzeski kaum etwas im Weg stehen. (Handelsblatt, Börsen-Zeitung)