Die anhaltend hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs setzen die Wirtschaft im Euroraum zunehmend unter Druck. Öl und Gas haben sich deutlich verteuert und treiben die Inflation spürbar nach oben. Im Euroraum lag sie zuletzt bei rund 3,0 % und damit deutlich über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank. Gleichzeitig schwächt der Preisanstieg die wirtschaftliche Entwicklung, da sowohl Unternehmen als auch private Haushalte stärker belastet werden. Für die Europäische Zentralbank (EZB) ergibt sich daraus ein schwieriges Umfeld. Steigende Energiepreise erhöhen die Inflation und reduzieren die Kaufkraft, während die Konjunktur gleichzeitig an Dynamik verliert. Diese Kombination erschwert geldpolitische Entscheidungen, da Maßnahmen gegen die Inflation die ohnehin schwache Wirtschaft zusätzlich belasten können.Auch zuletzt leicht rückläufige Inflationsraten geben dabei nur begrenzt Entwarnung. Ökonominnen und Ökonomen sprechen von einer „trügerischen Ruhe“, da die Kerninflation weiter steigt und Unternehmen höhere Energiekosten voraussichtlich weitergeben werden. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski rechnet daher damit, dass die Inflation in den kommenden Monaten weiter anziehen könnte. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass die EZB nun reagieren wird. Für die Sitzung am 11. Juni erwarten viele Marktteilnehmende eine Anhebung des Leitzinses – auch, um die Inflationserwartungen zu stabilisieren und Zweitrundeneffekte zu vermeiden. Für den Finanzierungsmarkt ist das ein wichtiges Signal: Steigende Leitzinsen dürften sich zunehmend auch in den Kapitalmarktzinsen widerspiegeln und damit Einfluss auf die Bauzinsen nehmen. Die weitere Entwicklung hängt dabei maßgeblich davon ab, wie nachhaltig der Energiepreisschock wirkt und wie entschlossen die EZB darauf reagiert. (Tagesspiegel, Tagesschau, Tagesschau, Börsenzeitung Report)